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Mainz macht Medienzukunft

Medienwirtschaft, Wissenschaft und Politik arbeiten am Ausbau des Aus- und Weiterbildungsstandortes – Auftakt beim „Forum Mainzer Medienwirtschaft“

Die Medienstadt Mainz soll ihre Potenziale ausschöpfen, um zum führenden Standort für die Aus- und Weiterbildung in modernen Medienberufen zu werden. Das ist das erklärte Ziel des „Zukunftsbeirat Medien“, in dem Vertreter führender Unternehmen und Institutionen aus Medienwirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenarbeiten. Der Zukunftsbeirat gab jetzt erstmals bei der Netzwerk-Veranstaltung „Forum Mainzer Medienwirtschaft“ in Mainz mehr als 300 Unternehmern und Wissenschaftlern aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet die Möglichkeit, Kontakte für konkrete Projekte zu knüpfen.

Video Medienforum Teil 1 (flv) | Video Medienforum Teil 2 (flv)

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der Medienkonvergenz hat es sich der Zukunftsbeirat Medien nach den Worten seiner Vorsitzenden, der Landessenderdirektorin des Südwestrundfunks in Mainz, Dr. Simone Sanftenberg, zur Aufgabe gemacht, zwischen Wissenschaft und (Medien-) Praxis die Vernetzung sowie den Wissenstransfer zu schaffen und zu sichern. Der Beirat will potentielle Kooperationen erkennen und fördern: „Ziel ist es, Trends in der Medienwirtschaft zu erkennen und strategisch-innovativ im Bereich Aus- und Fortbildung mit zu gestalten.“

Der Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, erklärte, die Sicherung und der Ausbau des Medienstandortes Rheinland-Pfalz sei ein zentrales Anliegen der Landesregierung. Vor diesem Hintergrund gelte es, auch die individuellen Stärken der unterschiedlichen Regionen im Land auszubauen. Mit dem ZDF und SWR sei Mainz bereits einer der zentralen Medienstandorte in Deutschland und die Heimat von Anstalten, die auch bei der Aus- und Fortbildung im Bereich Digitalisierung Vorbildcharakter hätten. Die in Mainz erfolgreich gebündelten Aktivitäten von Landesregierung, Hochschulen, Unternehmen, Anstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der IHK Rheinhessen seien wesentliche Bestandteile eines Motors, der das gemeinsame Vorhaben, Mainz zu einem der bundesweiten Top-Medienstandorte auszubauen, vorantreibe.

Nach Aussage des Staatssekretärs im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Michael Ebling, leisteten im Bereich der Hochschulen sowohl die Fachhochschule als auch die Johannes Gutenberg-Universität Außerordentliches im Bereich der Forschung und Ausbildung. Mit dem Forschungsschwerpunkt „Medienkonvergenz“ an der Mainzer Universität, an dem auch Professorinnen und Professoren der Fachhochschule Mainz, insbesondere des Instituts für Mediengestaltung (IMG), beteiligt sind, werde eine noch stärkere Verbindung der verschiedenen Disziplinen untereinander und auch zur Medienwirtschaft angestrebt.

Aus Sicht der regionalen Wirtschaft sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Richard Patzke, dass kaum eine Branche einem so rasanten technologischen Wandel unterliegt wie die Medienwirtschaft. Dabei unterliegt nicht nur die Technologie immer kürzeren Innovationszyklen. Auch die übermittelte Information und ihre Aufbereitung ändern sich. Entsprechend ändern sich mit wachsendem Tempo die Berufsbilder und neue Berufe entstehen. Die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter wird zu einem zentralen Faktor für den Wettbewerbserfolg der Unternehmen. Zukunftserwartungen setzt die Medienwirtschaft deshalb auf die Kooperation mit den Hochschulen im Medienhaus, das auf dem Campus der Universität entsteht.

Der „Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz“ der Johannes Gutenberg Universität, ein Zusammenschluss von 34 Professorinnen und Professoren der Medienfächer, die sich mit den inhaltlichen und gesellschaftlichen, den ökonomischen und rechtlichen, den sozialen und medizinischen Folgen des Medienumbruchs eingehend beschäftigen, arbeitet ebenso grundlagen- wie praxisorientiert, was für die 4800 Studierenden bereits jetzt hervorragende Berufschancen eröffnet. „Wir freuen uns“, sagte der Sprecher des Forschungsschwerpunktes, Prof. Dr. Stephan Füssel, „die enge Zusammenarbeit mit den einschlägigen Branchen, Sendeanstalten und Redaktionen noch weiter zu vertiefen und auszubauen, und die Folgen der Medienkonvergenz gemeinsam mit externen Partnern kritisch zu erfassen und wissenschaftlich aufzuarbeiten."

Die Fachhochschule Mainz will nach den Worten ihres Präsidenten, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth, ihr Know-how in der berufsbezogenen Ausbildung im Mainzer Medienbereich einbringen und die interdisziplinäre Vernetzung mit dessen Akteuren weiter vorantreiben. Im Kontext der rasanten Entwicklungen in der Medientechnologie hat die FH Mainz ihr Profil als innovative Ausbildungsstätte weiter geschärft und ihr Studienangebot um neue zukunftsorientierte Studiengänge erweitert. So ist etwa seit dem Wintersemester 2011/12 der duale Bachelorstudiengang „Medienmanagement & IT“ hinzugekommen, der eine Ausbildung in Medienwirtschaft, Medientechnik, Wirtschaftsjournalismus und Informationstechnik bietet.

Vor welchen Herausforderungen die Medienunternehmen stehen, skizziert der Chefredakteur des Zweiten deutschen Fernsehens (ZDF), Dr. Peter Frey: „Die Medienwelt ändert sich rasant. Im Journalismus gehört die Zukunft dem crossmedialen Arbeiten. Das heißt aber auch: Weiterbildung ist enorm wichtig. Denn nur so können wir am Puls der aktuellen Entwicklungen in der digitalen Welt bleiben.“ 

Hans Georg Schnücker, Sprecher der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Rhein Main, sieht die Verlagsgruppe als führenden Informationsdienstleister im westlichen Rhein-Main-Gebiet. Er sagt über die Entwicklung: „Die Veränderungen der Berufsbilder ziehen sich bei uns durch fast alle Berufe: Journalisten, Mediengestalter, Medienkaufleute. Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen, und dies mit einer höheren Geschwindigkeit, als das in anderen Branchen der Fall ist.“

Der Mainzer Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte sieht die Vorteile des Medienstandortes: „Gerade Mainz bietet kreativen Unternehmen ein optimales Umfeld für ihre Arbeit wegen der Nähe zu Fernsehanstalten, Verlagen, Fachhochschulen, Universität und IT-Unternehmen.“ Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt sei auf einem guten Weg, sich als jetzt schon starker Kreativstandort noch weiter zu etablieren. So werde bspw. das „Quartier 500“ im ehemaligen Weinlager im Zollhafen ab 2012 die neue Heimat der Mainzer Digital- und Kreativszene werden, in Nachbarschaft zu den Unternehmen des Kreativzentrums Nordhafen im alten Blendax-Gebäude.